Walpurgisfeuer

Diese Kurzgeschichte ist Teil der 2014 veröffentlichten und inzwischen nicht mehr erhältlichen "Fantasy Lovers" von Felicity La Forgia. Aus Anlass der "ausgefallenen" Walpurgisfeiern im Frühjahr 2020 ist die Geschichte nun frei erhältlich. Lies dich hier ein, und wenn dir dr Anfang gefällt, kannst du alles als PDF herunterladen, um die Geschichte am Bildschirm oder auf deinem eReader zu lesen! Es handelt sich um einen Kurzroman von 75 Taschenbuchseiten - gerade richtig für eine (Walpurgis-)Lesenacht!

Willst du weiterlesen? Dann hier kostenlos und ohne Registrierung herunterladen!

Für Kindle eReader

Es gab Tage, an denen man besser von vornherein im Bett geblieben wäre.
Und dann wieder gab es Tage, die völlig verregnet begannen und sich durch einen einzigen, clever platzierten Sonnenstrahl ins Gegenteil verwandelten.
Birke wünschte, sie könnte Wetter machen. Sie konnte einen Sonnenstrahl gut gebrauchen, denn das Gesicht von Sebastian war ein fleischgewordenes Gewitter.

Zehn Tage!“, fauchte er sie an. „Zehn Tage lang haben die mich da in der Zelle mit den gepolsterten Wänden festgehalten.“

„Was willst du, der Berkel hat dich doch für psychisch gesund erklärt. Mich übrigens auch.“ Sie nahm die Fläschchen mit dem Alraune-Likör einzeln aus dem Regal hinter der Theke und staubte sie umständlich ab. Er sollte verschwinden. Aber Verschwindenlassen war auffällig, und in der Öffentlichkeit ihres eigenen Ladens unterließ sie solche Spielchen, solange die Hoffnung auf einen besseren Weg noch nicht erlosch. Sie hatte zwar keine Angst vor Sebastian, aber an Tagen wie heute, wenn das Geschäft ohnehin schleppend lief, wurde jeder potentielle Kunde durch einen tobenden Ex-Polizisten im Eingangsbereich erst recht vertrieben.

„Sicher, aber meinen Job krieg ich mit dieser Episode im Rücken niemals wieder“, maulte er.

„Du bist ein guter Polizist, Sebastian.“

„Und zwar einer, der im Dienst davon gefaselt hat, von einer Hexe verfolgt worden zu sein.“

„Du bist vielleicht nicht der klügste Polizist ...“

„Halt den Mund! Das hab ich dir zu verdanken. Meine Karriere liegt in Scherben, weil du mich verhext hast. Alle gucken mich blöd an und grinsen über mich. Meinst du, das Getuschel kann ich auf ewig ignorieren?“

„Du warst nicht der erste, und wirst wahrscheinlich nicht der letzte gewesen sein, der bei mir hinter die Kulissen gucken durfte. Die anderen waren eben nur klug genug, den Mund zu halten und zu verschwinden. Du musstest ja das Maul aufreißen, und das ist nicht meine Schuld.“

Hinter Sebastian klingelte die Ladenbimmel. Birke seufzte. Wenn er nicht gleich verschwand, würde hier heute gar keiner mehr reinkommen. Der neue Kunde aber ließ sich von dem breiten Rücken, der halb den Zugang versperrte, nicht abschrecken, und schob seinen noch etwas breiteren Rücken in den Raum. Ein Mann, Anfang dreißig, schätzte sie, schulterlanges braunes Haar, Lederjacke, Bluejeans. Ein schmucker Kerl. Aber das war Sebastian ja auch. Nur hatte der sich an ihr die Hände verbrannt.

„Wenn du mich jetzt entschuldigen willst, Sebastian, ich habe zu tun.“

Der Kunde drehte kurz den Kopf weg von der Auslage mit den Silberketten, musterte erst Sebastian, dann Birke, wandte sich wieder den Anhängern zu.
„Ich werde dich irgendwann alleine erwischen“, knurrte Sebastian zwischen zusammengebissenen Zähnen.

„Und willst dich einer Tätlichkeit schuldig machen und dann wirklich eine Vorstrafe kassieren? Dann wärst du ja noch blöder, als ich dachte.“ Sie schloss das Glastürchen vor dem Likörschrank und drehte den Schlüssel herum.

Er machte zwei Schritte auf sie zu, aber sie wich nicht zurück. Vor Männern wie ihm brauchte sie sich nicht zu fürchten. Ihre Kräfte reichten zwar nicht für schweren Zauber, aber einen Kerl in die Flucht schlagen, das konnte sie ebenso gut, wie ihn einzuwickeln. Manchmal ließ sich ein bisschen Magie einfach nicht umgehen. Und hinterher hatte keiner den Mumm, darüber zu reden, dass er mit einer leibhaftigen Hexe aneinandergeraten war, in welchem Zusammenhang auch immer. Keiner außer Sebastian, aber bei dem war das weniger Mumm als vielmehr seine eigene Dummheit gewesen.

Er sprach laut genug, um seine Worte nicht nur an sie, sondern in all ihrer Hässlichkeit auch an den unbeteiligten Kunden am Silberregal zu richten. „Und übrigens, was ich dir schon lange sagen wollte: Du bist im Bett nicht besonders gut.“

Eine kleine Gemeinheit, die Art von Rache, wie sie ein Ex-Liebhaber übte, der sich an der Nase herumgeführt fühlte.  Birke hob eine Braue, konzentrierte sich, schickte ihm einen durchdringenden Blick. Im nächsten Augenblick stolperte er rücklings aus dem Laden, getroffen von einem Blitz, der so schmal und schnell war und so plötzlich wieder verschwand, dass man nicht sicher sein konnte, ihn gesehen zu haben. Die Glastür fiel klirrend ins Schloss.

Sie benetzte die Lippen mit der Zunge und wandte sich dem Kunden zu. „Tut mir leid. Ich hätte Ihnen gerne erspart, Zeuge dieser Auseinandersetzung zu werden.“ Sie setzte ihr gewinnendstes Lächeln auf.

Er richtete sich zu voller Größe auf. Das bedeutete, dass er sie um einen halben Kopf überragte, und aus der Nähe hatten seine dunklen Haare helle Spitzen, von der Sonne gebleicht. Wie in Honig getaucht. Und seine Augen waren … Sie schluckte. Wow.

Bernsteine. Seine Augen hatten die Farbe von Bernstein, wenn man ihn gegen die Sonne hielt, um das eingeschlossene Insekt näher zu betrachten. So etwas hatte sie nie zuvor gesehen.

„Nichts zu entschuldigen.“ Als er sprach, schliff er die Vokale zu Eiskristallen. Britischer Akzent, überlegte sie. Interessant. „Es war sehr … aufschlussreich.“ Und dann zwinkerte er.

Aber sicher doch. Und sie stellte sich vor, wie seine sonnengebräunten Finger auf der hellen Haut ihres Bauches aussehen würden, wenn er ihr das altmodische Leibchen vom Körper zog.

Sie rief sich zur Ordnung.

„Was kann ich für Sie tun? Suchen Sie etwas Bestimmtes?“

„Hexen“, sagte er unumwunden. „Echte Hexen.“

Für ePub-Lesegeräte

2016/2017 Kim Henry GbR

2018/2019 Moondance Books GbR

Alle Rechte vorbehalten.