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London, 1815.


In der Familie des Duke of Milton hängt der Haussegen schief. Lady Helen, die einzige Tochter des Herzogs, weigert sich standhaft, einem Bewerber um ihre Hand eine Chance zu geben. Kein Lord, und sei sein Rang noch so hoch, ist ihr gut genug.


Erst als sie zum ersten Mal dem menschenscheuen Duke of Glastonbury begegnet, steht Helen völlig unerwartet kurz davor, ihr Herz zu verlieren. Trotz seines hartnäckigen Stotterns scheint der junge Herzog der Einzige zu sein, der wirklich etwas zu sagen hat.


Dennoch lässt Helen es sich nicht nehmen, auf dem finalen Maskenball der Saison ein letztes Mal mit scharfem Blick und spitzer Zunge die unangenehmen Seiten ihrer Kavaliere zu entlarven, und prompt platzt ihrem Vater der Kragen. Zornig verkündet der Herzog, dass der erste Mann, der am nächsten Morgen im Hause Milton erscheint, die Hand seiner Tochter erhält.


Entgegen ihrer Hoffnung taucht zur angegebenen Zeit jedoch nicht Glastonbury, sondern ein Bettler im Stadtpalast der Miltons auf. Widerwillig muss der Duke of Milton den öffentlich gemachten Schwur einlösen, und Helen ist gezwungen, dem mittellosen Vagabunden in eine ihr völlig fremde Welt zu folgen. Das Abenteuer ihres Lebens beginnt!


Eine märchenhafte Liebesgeschichte für all jene, die sich gern verzaubern lassen!

Taschenbuch - 10,99€
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Leseprobe

Mit einer gewissen Faszination schaute Phineas in die Richtung, in die Lady Helen entschwunden war. Wirklich? Das war die Lady Helen, die in aller Lords Munde war? In der besseren Gesellschaft herrschte Einigkeit darüber, dass der Gentleman, der die Hand dieser Lady gewann, im Grunde genommen das Äquivalent von zehn Säcken beim Spielen gewonnener Zitronen mit nach Hause nahm: Sauer, unangenehm, aber wenn man sie auspresste, so ließ sich etwas Gutes herausholen. Vorzugsweise die beträchtliche Mitgift, die der Duke of Milton für seine einzige Tochter beiseitegelegt hatte.

Dass Lady Helen eine bezaubernd schöne junge Frau war, darüber wurde nicht diskutiert. Das war einfach eine Tatsache.

Phineas hatte sie noch nie gesehen und war bisher auch immer froh darüber gewesen. Denn die Dinge, die die Lords sich lautstark an den Spieltischen hinsichtlich des Charakters der Lady zuwarfen, sprachen von einer alles andere als angenehmen Dame.

Er ging nicht oft ins Watier’s. Von den Londoner Gentlemens Clubs war es noch der einzige, in dem er sich hin und wieder blicken ließ, um Lord Byrons Rezitalen zuzuhören, und auch nur dann. Doch wann immer er sich einmal dorthin verirrte, avancierte früher oder später Lady Helen zum Thema des Abends. Jeder wollte sie gewinnen, doch bei keinem war das Herz der Ratgeber für die Umwerbung der Dame in Frage. Über sie sprach man wie über eine Investition. Man lobte ihre Vorzüge – gute Gene, nicht von der Hand zu weisende Mitgift, nahe Verwandtschaft zum Königshaus – und trank sich die Nachteile schön, indem man sich versicherte, wäre die Ehe erst unterschrieben, müsste man ja nicht mehr viel Zeit mit Lady Helen verbringen. Dass es bisher noch keinem Herrn von angemessenem Rang gelungen war, eine Liaison mit Lady Helen unter Dach und Fach zu bringen, lag in erster Linie an der scharfen Zunge der jungen Frau. Mit der hielt sie nicht hinterm Berg, ihre Meinung kundzutun, und machte dabei nicht einmal vor den höchstgeborenen Adeligen halt. Selbst der Prince of Wales, George, war Opfer ihrer Verbalattacken geworden, so hieß es, und nur Miltons ausgezeichnete Verbindung zum Prinzregenten hatte die Wogen wieder glätten können.

«Fertig?»

Er blickte auf. Die Köchin hatte sich vor ihm aufgebaut, Hände in die breiten Hüften gestemmt, und starrte missbilligend auf ihn herab. Wie hatte Lady Helen sie genannt? Dixon, genau. Der bodenlange Rock aus grobem, ungebleichtem Leinen und die Schürze aus demselben Material waren verschmiert mit Saucen und Gewürzen, von denen ein betörender Duft ausging, und entlarvten die Frau als eine, die wusste, worauf es bei der Zubereitung von feinen Speisen ankam. Sie äugte in die Schüssel auf seinen Knien hinein und nahm sie ihm weg. Doch statt damit hinüber zu dem Becken zu gehen, in dem sich schmutziges Geschirr stapelte, watschelte sie zu dem großen Kochtopf auf dem Herd. Sorgfältig kellte sie die Schüssel ein zweites Mal bis zum Rand voll und kam damit zu ihm zurück.

«Hier», sagte sie grob. Aus der Rocktasche holte sie einen Kanten duftenden Brotes und drückte es in seine andere Hand, die schon den Löffel hielt. «Und hör auf, Lady Helen nachzustarren. Von ihr darf einer wie du nicht einmal träumen.»

Er konnte nicht anders und ließ das Grinsen zu, das in seinem Mundwinkel zitterte. Wenn sie bloß wüsste! Der Duke of Milton höchstpersönlich würde ihm erlauben, noch ganz andere Dinge zu tun als zu träumen, wenn er erfuhr, wer sich gerade in seiner Küche befand. Das war einer der Gründe, warum es ihn immer wieder hinaus auf die Straßen trieb. In Kleidern, die nicht die seinen waren, hinein in den Dreck und Abschaum dieser viel zu schnell wachsenden Stadt. Zu einem Herzog sprach jeder nur in ausgefeilten Tönen, als Bettler erfuhr er die Wahrheit. In dieser Verkleidung sprach ihm gegenüber jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Und so hatte er sogar etwas über Lady Helen erfahren, das keiner der hochrangigen Herren und Damen bisher wusste. Die Lady mit der scharfen Zunge hatte ein weiches Herz.

Wer hätte das gedacht?

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